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Wissenswertes über Möbelleder

So unterschiedlich wie die verschiedenen Rinderrassen, deren Lebensräume und Wachstumsbedingungen sind auch die Lederarten, die für Möbel verwendet werden. Die Lederhäute kommen nicht nur aus Europa, sondern aus zahlreichen Regionen der Welt. Aber nicht nur die Rohhaut des einzelnen Tieres, sondern auch die Art und Weise der Herstellung von Leder, bringt erhebliche Material- und Qualitätsunterschiede mit sich. Die deutsche ledererzeugende Industrie nimmt dabei in puncto Produktqualität, umweltfreundliche und ressourcenschonende Gerbverfahren und Einhaltung des Arbeitsschutzes eine Vorreiterrolle ein.

Die Spanne bei Ledermöbeln reicht von feinstem hochwertigen Qualitätsleder bis hin zu absolut minderwertigen Materialien, die mit echtem Leder nicht mehr allzuviel zu tun haben. Deshalb kostet manch komplette Ledergarnitur im Möbelhaus weniger als das, was Premium-Hersteller im Einkauf für eine einzelne Lederhaut bezahlen. Um als hochwertiges Qualitätsleder für Polstermöbel ausgewählt zu werden, muss die Rohhaut viele Anforderungen erfüllen. Zum Beispiel ein Mindestmaß an schadfreier Fläche, so dass auch ein großes Sitzkissen nahtlos bezogen werden kann.

Kräftiges Simmentaler Vieh aus dem Alpenraum zum Beispiel hat dafür gute Chancen, denn artgerechte Tierhaltung der hiesigen Bauern und ein zuträgliches Klima verleihem dem Rohmaterial feine Qualität. Hingegen werden es Rohhäute von Freilandrindern z.B. aus Südamerika, denen man noch die Mistgabelstiche, Hornstöße oder Dornenrisse ansieht, nie schaffen, zu einem hochwertigen Ledersofa verarbeitet zu werden.

Anders gesagt: Gutes Möbelleder ist das Ergebnis eines langen, sorgfältigen Ausleseprozesses. Nur beste Rohhäute mit minimalem Verschnitt können auch zu feinstem, naturbelassenem Rein-Anilin-Leder und dann zu hochwertigsten Ledermöbeln verarbeitet werden. Und das hat dann seinen (berechtigten) Preis.

Zum Leidwesen der Verbraucher trägt jedoch so manche Sofagarnitur das Label "Echtleder", obwohl sie aus billigen, mit vielen Lackschichten überzogenem Spaltleder gefertigt sind und mit dem natürlichen Ursprungsmaterial nichts mehr zu tun haben. Die oft mangelhafte Beratung in Möbelhäuser trägt oft dazu bei, dass Käufer über die Materialeigenschaften ihres gewählten Leders nur wenig wissen.

Das Wichtigste zu Möbelleder auf einen Blick:

  • Am Anfang einer Ledergarnitur steht immer die individuelle Biografie eines Rindes. Je naturbelassener und wertiger das Leder ist, umsomehr können später noch Spuren dieser Biografie sichtbar sein. Zeckenbisse, Gabelstiche, Kratzer, Hornstöße, Mastfalten, Scheuerstellen - all das sind keine Fehler, sondern sichtbare Zeichen des individuellen Lebens.
  • Naturbelassene Leder sind die hochwertigsten, aber (leider) auch die empfindlichsten. Sie verfügen über eine wunderbar weiche Haptik und gleicht sich dank der offenporigen Oberfläche schnell der Körperwärme an. Deshalb wirkt es im Winter nicht kühl und auch an heißen Sommertagen nicht rutschig, schwitzig.
  • Als "lebendigem" Material geht es naturbelassenem Leder aber auch wie allem Lebendigen: es verändert sich im Laufe der Zeit. Einem Sofa mit Rein-Anilin-Bezug wird man nach einiger Zeit ansehen, wo Handflächen und Köpfe geruht haben. Es wird eine gewisse Patina aufweisen und mit oft unvermeidlichen Flecken vom Leben erzählen.
  • Wer es eher pflegeleicht und praktisch mag, für den ist ein Semi-Anilin oder gar ein stärker pigmentiertes Leder die richtige Wahl. Diese Leder bieten durch ihre leichte bis stärkere Farbdeckschicht einen Schutz vor Alltagsspuren.
  • Damit Leder auf Dauer seine Schönheit, den weichen Griff und seine Attraktivität behält, ist eine regelmäßige Reinigung und Pflege besonders wichtig. Im Gegensatz zu unserer menschlichen Haut kann sich Leder nicht mehr selber regenerieren und somit auf unsere Unterstützung angewiesen.

Augen auf beim Ledermöbelkauf: Welches Leder ist für mich das richtige?

Wer für sein Zuhause ein neues Ledermöbel sucht, steht vor der Frage, für welche Lederart er sich entscheiden soll. Für Laien ist es oft schwer, sich im Dschungel der vielen Lederarten zurecht zu finden: die Auswahl ist groß, die Beratung im Möbelhaus leider oft dürftig. Dabei ist es enorm wichtig, sich VOR dem Kauf eines Ledersofas über die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Lederarten zu informieren.

Entscheidend für die Auswahl des Leders sind die ganz persönlichen Alltagsgewohnheiten. So sollte z.B. eine kinderreiche Familie eher zu einem robusten, pflegeleichten pigmentierten Glattleder tendieren. Eine Studenten-WG mit kleinem Budget ist vielleicht mit einem Modell aus Kunstleder besser beraten. Und echte Lederliebhaber, die weiches, naturbelassenes Leder mit leichter Patina mögen, schätzen das weiche, offenporige Rein-Anilin, wissen aber auch um seinen Preis und Pflegebedürftigkeit.

Leder ist nicht gleich Leder. Auch wenn die Ausgangsware bei Polstermöbeln (fast) immer Rindsleder ist, so gibt es dennoch eine Fülle an verschiedenen Arten. Je nachdem, auf welche Art und Weise es hergestellt wurde, entstehen unterschiedliche Lederarten mit unterschiedlichen Materialeigenschaften. Hier ein kurzer Überlick über die am meisten verwendeten Lederarten für Polstermöbel:

PIGMENTIERTE GLATTLEDER (das Pflegeleichte):

90% aller Ledermöbel sind aus pigmentiertem / gedecktem Glattleder. Das sind Rindsleder, welche durch eine oberflächliche Farbschicht (Pigmentierung) eine schützende Oberfläche erhalten und dadurch pflegefreundlich und sehr "alltagstauglich" sind. Die Farbdeckschicht wird deshalb aufgebracht, um Naturmerkmale des Rindes wie Bisse, Kratzer, Brandzeichen usw. zu kaschieren. Ist die Farbschicht so dick, dass das natürliche Hautbild nicht mehr zu sehen ist, wird die typische Ledermaserung nachträglich in die Farbschicht geprägt. Allerdings bedingt diese (unterschiedlich starke) Farbschicht auch, dass sich das Leder etwas steifer und nur mäßig warm anfühlt. Das Leder ist robust, Flecken und Verschmutzungen lassen sich leicht entfernen. Im Handel sind pigmentierte Leder auch als "Longlife"-Leder zu finden.

SEMI-ANILIN (die "goldene Mitte"):

Ist die auf Glattleder aufgebrachte Farbschicht nur hauchdünn und sind z.T. die Poren (Haarlöcher) noch etwas sichtbar, handelt es sich um Semi-Anilin oder leicht pigmentiertes Glattleder. Es fühlt sich angenehm und weich an. Wir nennen es "die goldene Mitte der Möbelleder", denn es hat noch die Natürlichkeit und Weichheit von naturbelassenem Leder, ist aber dennoch durch einen Farbhauch geschützt und deshalb lassen sich Verschmutzungen auch noch gut entfernen.

REIN-ANILIN (das Exklusive):

Als Rein-Anilin werden komplett durchgefärbte Leder bezeichnet, die keine oberflächliche Farbdeckschicht haben und daher komplett offenporig sind. Man sieht also noch die klitzekleinen Haarlöcher, die Poren der Haut. Daher fühlt sich Rein-Anilin so wunderbar weich, warm und atmungsaktiv an. Für Rein-Anilin werden nur die allerbesten Rinderhäute verwendet, die keinerlei offene Beschädigung oder Naturmerkmale wie Verletzungsnarben oder Brandzeichen haben. Deshalb sind Rein-Anilin Leder auch teuer, da exklusiv. Leider ist es durch die Naturbelassenheit auch sehr empfindlich und anfällig für Flecken, Gebrauchsspuren und "Verspeckungen". Diese  Lederart ist für Familien mit Kindern und Haustieren nicht unbedingt empfehlenswert, da man ihr den Alltag sehr schnell ansehen wird. Farbintensives Rein-Anilin Leder kann zum zum Ausbleichen neigen, daher sollte direkte Sonneneinwirkung vermieden werden und es empfiehlt sich ein UV-Schutz. Regelmäßige und  Pflege ist hier besonders wichtig, damit das empfindliche Leder lange schön bleibt.

FAZIT: Die feinste Lederqualität ist (leider) am empfindlichsten. Exklusives Rein-Anilin muss vorsichtiger und häufiger gepflegt werden als pigmentiertes Leder. Semi-Anilin stellt die "goldene Mitte" der Möbelleder dar.


Was beim Kauf von Ledermöbeln beachtet werden muss:

Leider erleben wir immer wieder, dass die Beratung beim Kauf von Ledermöbeln im Möbelhaus nicht zufriedenstellend ist. Viele Verkäufer haben über Leder nur Halbwissen und können so auch keine optimalen kundenspezifischen Empfehlungen aussprechen. Fragen Sie sich also vor der Entscheidung der Lederart folgendes:

· Wird das Sofa "zum Leben" benutzt oder eher geschont?

· Wird auf dem Sofa gegessen und getrunken?

· Steht es direkt am Sonnenfenster oder lichtgeschützt?

· Dürfen Kinder darauf toben, vielleicht sogar Haustiere?

· Sind Sie zu einer regelmäßigen, vorbeugenden Pflege bereit oder reagieren Sie nur im akuten Fall eines Fleckes?

· Fragen Sie nach dem Hersteller des Möbels: Renommierte deutsche Polstermöbelhersteller (z.B. ROLF BENZ, COR Koinor, W.Schillig u.a. verwenden i.d.Regel auch hochwertige Leder. Polstermöbel, welche in Fernost gergestellt werden, verwenden oft "optisch geschönte", aber minderwertige Lederqualitäten.

· Sie haben als Käufer das Anrecht auf die Information der genauen Lederbezeichnung, der Lederart (nach DIN 68871) und weiteren Eigenschaften. Lassen Sie sich VOR dem Kauf all diese gesetzlich vorgeschriebenen Informationen geben, um sicher zu gehen, dass Sie auch die von Ihnen gewünschte Lederart. Haben. Die Information "Leder der Preisklasse 1" hilft Ihnen im Garantiefall nicht weiter.

· Prüfen Sie vorher, ob auch wirklich ALLE Flächen des Sofas aus Echtleder sind, es gibt im günstigen Preisbereich auch Modelle, bei denen z.B. nur die Sitzflächen aus Echtleder sind, andere Teile sind mit Kunstleder bezogen.

· Nicht zuletzt ist die Wahl der Lederart eine Frage des persönlichen Geschmacks und Budgets.