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Wie wird Leder hergestellt?


Die Herstellung von Leder, vor allem das Gerben, ist ein aufwändiger Prozess mit vielen einzelnen Teilschritten. Vereinfacht gesagt ist Gerben das Haltbarmachen, also Konservieren von tierischer Haut zum Zwecke der Nutzung / Verarbeitung. Bis die rohe Tierhaut ein fertiges Leder ist, bedarf es ca. 40-50 Arbeitsschritte.

Frank Fiedler von der deutschen Vorzeige-Gerberei Heller erklärt die wichtigsten Fakten zur Lederherstellung:

 

Lederproduktion: Von der Tierhaut zum Leder

Tierhäute sind ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie und der Rohstoff für die Lederherstellung. Die Gerbereien erhalten die Tierhäute meist über Rohwarenhändler aus den Schlachthöfen.

Wie wird Leder hergestellt?

Die Herstellung von Leder ist ein aufwändiger Prozess. Die wichtigsten Arbeitsschritte sind:

Vorbereitung

       

Erstmal muss die Haut gewaschen und vom Dung und Verunreinigungen befreit werden. Dann wird die Haut „geäschert“. Dabei werden die Haare entfernt und das Kollagengefüge der Haut aufgelockert.

Die Fleisch, Fett- und Bindegewebereste werden abgeschabt. Den Job übernimmt eine spezielle „Entfleischmaschine“.

In verschiedenen Arbeitsschritten wird die Haut nun durch verschiedene  Prozesse wie Entkälken, Beizen und Pickeln für die eigentliche Gerbung empfänglich gemacht.

Gerbung

    

Nun erfolgt erst die eigentliche Gerbung, also die Umwandlung der bis dahin rohen Haut in haltbares Leder. Je nach Methode (pflanzliche / mineralische / synthetische Gerbung) wird die Haut mit entsprechenden Gerbmitteln behandelt.

Bei der pflanzlichen (vegetabilen) Gerbung kommen z.B. Gerbstoffe aus Eichenrinde, Mimosa oder Früchten zum Einsatz. Bei der Mineralgerbung verwendet man v.a. Chromsalze oder Aluminiumsalze. Den Gerbvorgang übernehmen heute große drehbare Fässer oder Trommeln.

Das nun durchgegerbte und abgepresste Leder durchläuft noch ein paar finale Arbeitsgänge. So wird es noch gespalten (wenn es zu dick ist), hübsch gefärbt und gefettet. Bei der Färbung im Fass binden sich lösliche Farbstoffe fest an die Lederstruktur und durchdringen so das Leder vollständig.

 

Trocknung und Weichmachen

     Jetzt muss das Leder gut getrocknet werden, wonach es sich dann ziemlich steif anfühlt. Um die gewünschte Geschmeidigkeit zu erlangen, wird das Leder durch mechanisches Bearbeiten („Millen und Stollen“) weich gemacht. Früher wurden die Leder noch von Hand „weichgeknetet“, zum Glück übernehmen diese Arbeiten heute spezielle Maschinen und Millfässer.
     

Zurichtung

   

Bildrechte: LCK_Gmelich

 

Im letzten Arbeitsgang wird das Leder entsprechend seiner Verwendung zugerichtet. Dabei erhält das Leder noch einige dauerhafte Eigenschaften, angenehme Aussehensmerkmale und spezielle (modische) Effekte.  Die Lederoberfläche wird hierbei geschickt korrigiert, dass eventuelle schadhafte Stellen wie Narben hübsch kaschiert werden. So wird z.B. bei fehlerhaften Ledern eine dicke zusätzliche Farbschicht aufgebracht und danach die Lederstruktur mit einer Prägewalze aufgebracht (da die originale Hautstruktur unter der Farbschicht verschwunden ist).

Abschließend wird die so „getunte“ Oberfläche mit einem wasser- und fleckabweisenden Schutz fixiert. Die Zurichtung umfasst also alle Maßnahmen, die das Leder für eine industrielle Weiterverarbeitung interessant machen.

 

Lederherstellung in Deutschland

Bereits im 17. Jahrhundert entstand in Deutschland die Zunft der Gerber und erlebte bis ins 19. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Heute gibt es leider nur noch wenige Gerbereien in Deutschland, Gründe hierfür sind vor allem die hohen Umweltauflagen sowie die starke Konkurrenz der Billiglohnländer.

Lederherstellung weltweit

Nicht überall auf der Welt wird Leder schon so fortschrittlich, maschinell und umweltbewusst hergestellt wie in unseren  deutschen Gerbereien. So findet die Lederherstellung z.B. in Marrakesch (Marokko) noch heute unter freiem Himmel unter einfachsten Bedingungen statt. Durch die Geruchs- und Umweltbelästigung wurde das Gerberviertel aus dem Stadtzentrum verbannt, und wer sich als Tourist in diese Ecke vorwagt, überlegt sich anschließend den Kauf von marrokanischen Lederwaren im Souk zweimal...

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